Liebes Tagebuch,

neulich bei Rossmann beim Rausgehen: „Tür öffnet automatisch nach innen“, stand da in großen Lettern schwarz auf weiß an der Tür. Bevor ich das Gelesene nebst Bedeutung verstehen konnte, machte sich die Tür auch schon daran, mir gegen den Kopp zu knallen. Ich schätze, dass ich nicht der einzige Fall bin, der hier fast zum Unfall wurde.
Ähnliches kennt man bereits von der Vorsicht-Stufe-Situation, wo Hirn und Fuß mitunter nicht recht harmonieren. Oder wenn der Administrator es sich während eines Updates am Rechner sitzend bequem gemacht hat und danach die geliebte Stuhlhöhe nicht wieder in die rechte Position zurückgeschraubt hat.

Im Allgemeinen gibt es viele gut gemeinte Warnungen oder Hinweise, die beinahe oder wirklich ihre Wirkung verfehlen. So wird man beispielsweise erst nach dem Kippenschachtelkauf informiert, dass man das Rauchen wegen der prognostizierten Abhängigkeit doch besser gar nicht erst anfangen möge. Das kurz darauf einsetzende Zwiegespräch mit der gesundheitlichen Verfassung löst sich meist nach der dritten Kippe in Schall und Rauch auf bis die neue Schachtel mit funeraler Umrandung auf den frühen Tod oder die Demontage geliebter Körperfunktionen hinweist.

Oder etwa der gut gemeinte Beipackzettel-Rat, der inzwischen wie ein vielgesungenes Kinderlied Eingang in das Kollektivgedächtnis einer ganzen Generation gefunden hat. „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“. 2005 hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe noch einmal bestätigt, dass dieser Arzneikunde-Singsang keine leere Worthülse ist. Blöd nur, wenn Pharmakonzern und Pharmazie unter einer Decke stecken. Zur Absicherung sollte man deswegen lieber noch einmal die Apothekenumschau konsultieren – das gute Gewissen der schlechten Beratung.

Und zu guter Letzt sei noch der Abgesang der Lottozahlen genannt, die wie immer ohne Gewähr sind. Viele Jahre habe ich mich gefragt, wozu die Zahlenreihen denn eine Schusswaffe bräuchten. Ich habe mir das dann so erklärt, dass dem potentiellen Lottogewinner ob seines vermehrten Vermögens der eine oder andere nach dessen Leben trachten könnte, um sich seinerseits an dem neu hinzugewonnenen Reichtum des Anderen zu bereichern. Der gut gemeinte Hinweis weist also darauf hin, dass man für den Glücklichen zwar finanziell ausgesorgt habe, ihm aber ans Herz legen möchte, sich künftig deswegen in ganz ursprünglich-archaischem Sinne abzusichern, damit das Herz auch noch weiterschlägt – zu Risiken und Nebenwirkungen…




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