Schweinegrippe-Deutschland im Jahr 2010

Januar

Der Spiegel hat seine erste Impf-Sonderausgabe publiziert, wo A-, B-, und C-Prominenz mit gestrafftem Oberarm und Impfpflaster zu der Schlagzeile: „Wir haben geimpft!“ im Hochglanzformat in die Kamera strahlt. Begehrt sind die „Schweinegrippe – nein, Danke“-Buttons, die man bekennend am linken oberen Jackenärmel trägt. Genauso wie Jette Joops Impfplaster-Kollektion bei H&M. Ikea wirbt mit „Impfst du noch oder lebst du schon“ inzwischen für Billy-Boy, die neben der klassischen Präservativ-Linie nun atmungsaktive Latexgesichtsmasken herstellen, die den H1N1N-Virus und Falten reduzieren.

März

Der Impftourismus boomt, bei LIDL gibt es die ersten Impf-Pauschalreisen nach Österreich: Drei Tage zur Grenzimpfstation im steril-klimatisierten Bus, inklusive Präventionsbegrüßungspaket (Mundschutz, Desinfektionsfläschchen mit Pumpe und eine Ersatz-Spritze), Impfung mit Celvapan ohne Verstärker, das Kind unter sechs Jahre wird gratis geimpft, anschließender Shuttle zum Post-Impfwellness-Wochenende inklusive einer Immunreaktivierungsmassage.

Mai

Bob Geldorf hat seine Aids-Tour zugunsten einer H1N1N-Konzertreihe abgesagt und spielt nun vor Mundschutz-Massen in ausverkauften Krankensäalen.
Bei RTL zeichnet sich der Erfolg der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Super-Doc“ ab (gesucht wird jener Arzt, der dem impfunwilligen Bürger die meisten Spritzen setzt). Bei der Kinderüberraschung gibt es in jedem siebten Ei eine Figur aus der spritzigen Pandremixbande und bei „Wer wird Millionär“ statt der Million eine Impfrunde für die ganze Familie. Beim Kauf eines Kastens Warsteiners wird eine neue Impfdosis produziert und Deutschland führt als erstes Land den Spritzen-Pfand ein, während Andrew Witty, Chef des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline, neuer Gesundheitsminister wird.

Juli

In den Aktionshäusern wird der seltene Celvapan höher gehandelt als Damian Hirst, bei Ebay nehmen die Betrugsfälle mit gepanschtem Impfstoff aus der Ukraine zu, die Ukraine selbst liegt mit Russland im Impfstoff-Streit, sodass zeitweise die Lieferungen nach Europa gefährdet sind, was dadurch verstärkt wird, dass immer mehr Impfkonvois in Ländern mit schwacher oder fehlender Staatlichkeit überfallen und geplündert werden.
Das Berliner Nachtleben hat die positiven Nebenwirkungen der Impfstoffe für sich entdeckt, die Zahl der Impfjunkies steigt in der ersten Jahreshälfte rapide (am Kotti herrscht Flipflop-Verbot ob der vielen Spritzennadeln am Boden), in Prenzlauer Berg werden die ersten Kinder auf den Namen Pandremix, Celvapan und Celtura getauft.

Oktober

Die Zahl der Impfopfer ist auf 30 gestiegen – sie kamen tragisch ums Leben beim Massenandrang im Media-Markt, wo es für jeden dritten Kunden beim Kauf einer Rotlicht-Lampe einen Impfgutschein gratis gab.

Nur eines gibt es im Jahr 2010 nicht mehr: Die Schweingrippe.

15. November 2009




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