Liebes Tagebuch,

Ich finde es sehr schön, dass immer mehr Menschen immer mehr Partybilder von sich ins Netz stellen. Denn Partybilder sind bekannt dafür, in höchstem Maße originell und abwechslungsreich zu sein. Betrunkene, blitzaufgehellte Gesichter werfen kokettierend Kussmünder in die Kamera. Häufig sind auch noch jede Menge zur Umarmung gewundene Arme im Spiel, gerne auch das Bier lässig in der Hand des Umarmarms baumelnd. Der Partymob portraitiert sich in zig Varianten und Abarten, das Ganze wird stündlich wiederholt bis der Blick das Kameraauge nicht mehr zu taxieren vermag und sich die Party Richtung Boden bewegt. Schön, wenn sich eine Generation feiert.
Aber was soll man auch machen mit Ende 20, wenn man realisiert hat, dass das Leben kein Ponyhof ist. Und die Jungen immer jünger werden und alle immer älter. Wer länger lebt, ist schließlich kürzer tot. Und damit einem die Zeit nicht so lange vorkommt, hat man dauernd zutun und kaum Zeit, aber fragt sich, was man denn eigentlich so macht. Denn blöderweise kann man irgendwie fast alles machen und deswegen mindestens genauso viel verpassen. Aber verpassen will man nun wirklich nichts, auch wenn man nicht so ganz genau weiß, ob man wirklich etwas verpasst. Damit das Ganze am Ende doch noch einen Sinn ergibt, findet man sich eben erst einmal selbst – ein Prozess, der im angebrochenen 21. Jahrhundert dehnbar ist wie zähflüssiger Kaugummi. Und wenn der Geschmack raus ist, wird eben der nächste Streifen eingeschoben. So lässt’s sich auch jenseits der 30 noch ganz gut selbst finden. Und man kann langsam in die Phase der Selbstverwirklichung übergehen.

1. Juli 2009




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