Liebes Tagebuch,

Das Lifestylemagazin Life&Style hat viele gute Freunde, Freundinnen, Bekannte und befreundete Partygänger. Das Gute: Diese Freunde, Freundinnen und Bekannte wissen immer bestens Bescheid über das Innen- und Außenleben der Stars. Sie berichten, wissen, schätzen ein und sorgen sich um. Ihr publizistischer Schwerpunkt: Das Liebes- und Kilo-Chaos der Celebritys. Ob verliebt, verlobt, verheiratet, im Trennungsstress und darüber hinweg, wieder total dicke miteinander, dünn wie eine Stricknadel oder dralle wie ein Quietsche-Entchen: Sie wissen aufs Gramm genau Bescheid. (Zum Beispiel hat ein Bekannter von Kelly Clarkson gehört, dass diese von 2005-2006 ganze fünf Kilo zugenommen hat, 2009 waren es bereits zehn. Und das Unerhörteste: Sie findet sich gar nicht zu fett, ist gar zufrieden mit ihrer Figur – eieiei, man kann den Aufschrei der anorektischen Hollywood-Front ja beinahe bis hierher hören: Wenn diese Aussage ein Gesicht hätte, hätte es einen dicken schwarzen Balken darüber. )
Nun ist es ja heutzutage unheimlich leicht Freund zu werden. Man added oder fügt sie hinzu, gruschelt oder stubst mal eben an – und entfreundet sich genauso schnelle wieder mit einem Klick. Wie praktisch. Die neue Leichtigkeit des Befreundetseins führt bei Manchem zu unglaublich digitaler Popularität und einer Heerschaft von Freunden und Freundesfreunden, die einem die Pinnwand mit Bussibussi oder allerlei Uneindeutigkeiten vollposten, damit man auch ja sieht, wie dicke man miteinander ist.1
Die digitale Leidenschaft hat aber einen entschiedenen Nachteil: Wer sein soziales Netzwerk zum Bersten bringt, hat für die analogen Freunde kaum mehr Zeit. Aber mal ehrlich – mit echten Freunden ist es ja auch so eine Sache. Häufig hat man sie nur, weil man Kaffee Arabica im Hause hat und den selbst gekauften Biokuchen das Stück zu drei Euro zum Käffchen reicht. Oder nicht? Spätestens wenn man sich über die mitgebrachten Schnittblumen, Pralines der Waldmeisterweichcremevariante mit Pistazienschaum als Trägermasse oder irgendein staubhaschendes Gedöns mehr freut als über die Anwesenheit des Freundes, sollte man sich überlegen, zur digitalen Variante zu wechseln. In allen anderen Fällen ist auf jeden Fall die Life&Style-Freundschaft zu empfehlen: gemeinsam durch dick und dünn gehen.

  1. In der echten Welt brachte man früher seine Zweisamkeit einem verständnislosen Dritten gegenüber mit dem Satz „Das war ein Insider“ zum Ausdruck [zurück]

01. Juli 2009




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