Liebes Tagebuch,

Badezimmerschränckchen mit integriertem Badezimmerspiegel, worauf man nicht gerne, aber beim Zähneputzen blickt und darauf kleine Zahnpastaspuren hinterlässt, sind eine Sache für sich. Sie beherbergen sicher eine Sache, die da nicht unbedingt sein muss. Sei es eine dahinranzende Nivea oder Sonnencreme oder Restposten von Parfümfläschchenproben aus einer Zeit, als man Parfümfläschchenproben noch sammelte und damit Duft-Kombinationen mischte, die Jean-Baptiste Grenouille das Töten ausgetrieben hätten.
Wahrscheinlich findet sich in dem ein oder anderen Schränckchen auch ein Lippenstift- und Nagellack-Fehlkauf und eine abgelaufene Immodium Akut, die für den Urlaub im olivenölreichen Süden gedacht war, die man dann aber zusammen mit der Luftmatratze vergessen hatte, die wiederum nun im Keller lagert, obwohl die Gummihaut um das Ventil inzwischen porös ist und sich die Luft nach wenigen Minuten auf der Matratze und Meeresoberfläche fletzend zischend verzischt und man sie doch besser wegschmeißen sollte, aber vielleicht schließt sich das Loch ja doch noch, wenn sie nur lange genug in den Kellerräumen lagert. Schließlich hat der feuchte Muff schon so einiges Hab und Gut in andere Zustände versetzt.

Wenn dem so ist: Warum halten wir an einigen Dingen fest, auch wenn man es besser lassen sollte? Entfernte man nun die Badezimmerschränckchendinge, bliebe dort eine große Lücke, deren Sinn man auch nicht verstände. Man könnte die klaffende Leere mit Utensilien aus dem großen Badezimmerschrank füllen, aber nach einigen Wochen, spätestens nach Jahren, würden auch sie wieder ihren Sinn vermissen lassen. Warum also nicht gleich die alten Dinge stehen lassen? Man kann wegschmeißen und umschichten, drehen und wenden, wie man es will – bestimmte Dinge werden erst wichtig, wenn sie nicht mehr da sind!

06. Juli 2009




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