Liebes Tagebuch,

ich bin auf der Suche nach einem Tisch. Schon sehr lange. Die klaffende Lücke im Wohnraum habe ich derweil mit dem Wäscheständer kaschiert. Aber die Blicke von Freunden und Verwandten werden immer schärfer: So schwer könne das doch nicht sein. Eigentlich nicht. Denn auch wenn man es nicht will, gibt es Ikea. (Wie wäre es mit einem neuen Werbeslogan für 2010: „Früher oder später landest Du ohnehin hier!“)
Meine Wahl fiel auf GRIMLE. Weiß und schlicht, halbwegs schön im Design, erschwinglich im Preis – nichts wie hin. Auf der Suche nach GRIMLE war meine gelbe Tasche bereits bis zum Anschlag gefüllt, als ich in der Esszimmertischwelt ankam. MELLTORP, NORDEN und JÄMSUNDA kokettierten mit langem Bein, doch kein GRIMLE weit und breit.
Nein, verkündet ein Mitarbeiter der Freundlichkeit-hat-einen-Namen-Fraktion auf meine Frage, ob denn GRIMLE nicht ausgestellt sei. Ja, im Lager sei er vorrätig, aber dort könne man ihn nicht beschauen. Aber in Waltersdorf stehe er im Ausstellungsraum. Nun gut.
Einige Wochen später rufe ich in Walterdorf an, um nicht den langen Weg mit der Bahn umsonst zu machen (anschließend mit erneut fragwürdiger Ware im Gepäck). Man werde sich erkundigen, ob GRIMLE bereit stände und dann Bescheid geben, so ein Ikea-Mitarbeiter. Einige Wochen vergingen. Dann die Antwort: Nein, ausgestellt sei GRIMLE derzeit in Walterdorf nicht. Aha. Kommunikationsschwierigkeiten im Weltkonzern? Ich hake per Mail nach: Ob denn der eine nichts vom anderen wisse und wo denn GRIMLE nun zu betrachten sei?
Zurück kommt eine Flut an Erkundigungen verschiedener Mitarbeiter. Man bedauere, dass man mir keine positive Nachricht geben könne: GRIMLE sei aus dem Programm genommen, lautete die eine Antwort. Der Tisch sei zurzeit in keinem der Berliner Häuser ausgestellt, die andere. Der Esstisch GRIMLE sei derzeit sowohl im Haus Berlin-Tempelhof als auch in Waltersdorf verfügbar. Eine weitere: Ob die Artikel in der Ausstellungshalle gezeigt würden, sei Ikea nicht bekannt.
Die Lust war mir vergangen, die neue Ikea-Saison angebrochen. Der Wäscheständer hat sich inzwischen ins Mobiliar integriert. Nur die Freunde wurden immer weniger. Ok, ein letzter Versuch – ein weiterer Anruf: Mit dem neuen Katalog, stände auch GRIMLE wieder bereit, heißt es. Einige Wochen später bei Ikea-Tempelhof: Wo denn GRIMLE sei, frage ich den gelb-blauen Mitarbeiter am Infostand. Der Tisch sei hier in Tempelhof nicht ausgestellt, antwortet es. Aber man sagte mir doch, dass mit der neuen Saison auch GRIMLE wieder dabei wäre.
Davon wisse er nichts, aber in Spandau sei der Tisch ausgestellt. Ob er denn da sicher sei? Mit Sicherheit könne er das natürlich nicht sagen, schließlich könne ein Tempelhofer nicht wissen, ob die Spandauer eventuell ihr Ausstellungs-Arrangement nach Lust und Laune änderten. Aber vor einer Woche hätte er dort noch gestanden. Inzwischen ist ein weiteres Jahr vergangen. Nächste Woche will ich nach Spandau, zu Ikea.




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