Neulich stand ich mit meiner Freundin um zwei Uhr nachts in einer Menschentraube in Berlin Mitte und warte darauf, ins Picknick eingelassen zu werden. Das Picknick ist ein nicht mehr ganz so angesagter Club. Das merkt man bereits an der Länge der Schlange. Denn vor angesagten Clubs steht keine lange Menschenschlange, weil angesagte Clubs kaum einer kennt, denn die stille Club-Post flüstert nur hippen Ohren zu. Hip ist ein Club, wenn man fast nicht reinkommt. Wie beinahe in unserem Fall: Ob man denn auf der Gästeliste stünde, fragt der gestrenge Türsteherblick? Nein, antworten wir die Schmach in Aussicht. In solchen Momenten fühle ich mich ein wenig wie in der Feinschmeckeretage im Kadewe, wenn einen die Blicke links liegen lassen.

Dann hat man noch eine Chance: Über wen man denn komme? Im Zweifel sollte man hier einen Namen nehmen, der Anfang der 1980er Jahre bei Eltern Marke antiautoritäre Erziehung gerne genommen wurde. Wer auch dabei keinen Erfolg hat, bekommt als Frau eine letzte Chance. Man sagt dann, dass man sich gaaanz dünn machen werde beim Stehen, Gehen und Tanzen und zudem trinken werde, dass die Kassenlade ächzt. Parallel setzt man einen bedröppelten Blick vom Schlage Reh vor der Windschutzscheibe auf. Und wenn man nicht an eine Zicke oder einen Frischverlassenen geraten ist, sollte einem der Eintritt eigentlich gelungen sein. Aber wer nun denkt, dass nach dem Stempelklatscher die Party beginnt, der irrt. So auf jeden Fall in unserem Fall. Da wartete bereits die nächste Schlange an der Garderobe. Leider hatte allerlei Jackenvolk die Stangen bereits voll gehangen, dass für den eigenen Pelz kein Platz mehr war. Und die Ladies an der Garderobe machten diesmal auch keine Ausnahme. Also mussten die Jacken mit.

Die Party begann bereits im Vorraum. Die dazugehörige Crowd hatte teils glitzernde Hütchen auf dem Kopf und die Trip-Augen mit Festbemalung geschmückt. Glücklich war, wem die Schminke im Gedränge nicht ans T-Shirt schmierte. Während sich einige Damen auf der Toilette die Nasen puderten, holten wir Bier, weil das beim Tanzen am wenigsten schwappt. Das Picknick ist tanzflächenmäßig über eine Treppe zweigeteilt, so dass man einen Großteil des Abends über die Treppe zwischen Tanzfloor Nummer eins und zwei flaniert. Die beste Musik läuft dann meist zur Treppenzeit. Da die Floors recht klein sind, schnürt sich bald das liberale Tanzkorsett fest: Tanze, aber nur so freigiebig, als dass du nicht den Tanzstil deines Tanznachbarn einschränkst. Immerhin hat der Club keine ausladenden Fensterscheiben, auf denen der Dunstkreis aus Schweiß, Alkohol und Drogen Kondensat bildet. Auch kann die Enge der Tanzfläche mit wachsendem Alkoholpegel als Kontaktbörse fungieren. Allerdings bezweifle ich, dass man hier zwischen Elektrotrommel und Wortfetzen die Partnerschaft fürs Leben schließt. Bleiben also noch ein paar Überlegungen zu den Feiernden – oder nein. Es ist bereits viel über sie nachgedacht worden. Nur eines: Vielleicht sind die XXL-Brillen mit oder ohne Fensterglas ja nötig, weil die Hosenträger den Sehnerv abklemmen. Wie dem auch sei. Im Großen und Ganzen mag ich das Picknick, wünschte mir aber mitunter, ich wäre bereits so alt, nicht mehr in Clubs gehen zu müssen – oder nicht mehr reinzukommen.

8. Januar 2009




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